Über aufsuchende Ansätze der Jugendsozialarbeit aber auch über Kooperationspartner bauen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zunächst Kontakt zum/zur Jugendlichen auf.
Sie begleiten und lotsen den jungen Menschen dann langfristig und entsprechend seiner bzw. ihrer ganz individuellen Situation zwischen den verschiedenen Institutionen und „aus einer Hand“ auf seinem/ihren Weg in weiterführende Angebote.
Dabei erbringen die Kompetenzagenturen die erforderlichen Maßnahmen für den jungen Menschen nicht selbst, sondern organisieren im Rahmen des Case Managements eine individuell zugeschnittene Abfolge von Hilfen aus den verschiedenen Bereichen.
Darüber hinaus fungieren die Kompetenzagenturen als Beratungs- und Anlaufstellen für die Jugendlichen und deren Eltern, aber auch für Kooperationspartner wie die kommunale Jugendhilfe, Jugendmigrationsdienste, Grundsicherungsträger und Arbeitsagenturen. Dabei kommt das intensive Netzwerkmanagement der Kompetenzagenturen zum Tragen.
Grundsätze
Umsetzung des Programms vor Ort
Kompetenzagenturen wenden sich mit ihrem Angebot an besonders benachteiligte Jugendliche, die nach der Schule auf dem Weg in den Beruf „verloren gegangen“ sind und von den vorhandenen Angeboten der verschiedenen Leistungssysteme, also der Schul- bzw. Berufsbildung, der Arbeitsmarktförderung und der kommunalen Jugendhilfe, nur noch sehr schwer erreicht werden können.
Aufsuchende Ansätze in der Arbeit der Kompetenzagenturen
Kompetenzagenturen arbeiten mit einer Klientel, die nicht immer einfach zu erreichen ist. Jugendliche und junge Erwachsene, die von den vorhandenen Bildungs-, Ausbildungs- und Beschäftigungsangeboten nach der Schule nicht erreicht werden oder aber sich diesen entziehen, fallen häufig durch das Hilfenetz. Um diese jungen Menschen nicht zu verlieren, versuchen Kompetenzagenturen mittels aufsuchender Ansätze der Jugendsozialarbeit Zugänge zu diesen Jugendlichen zu schaffen.
Die Arbeit im Sozialraum der jungen Menschen kennzeichnet die Haltung der Kompetenzagenturen: Kompetenzagenturen haben keine „Komm-“, sondern ausgeprägte „Geh“-strukturen. Die Case Managerinnen und Case Manager finden Zugang zu den Jugendlichen, indem sie zu ihnen hin und auf sie zu gehen. Im Rahmen ihrer aufsuchenden Ansätze kooperieren die Kompetenzagenturen eng mit der Mobilen Jugendarbeit/Streetwork, verschiedenen Einrichtungen, Vereinen und Sozialraumakteuren, um die Jugendlichen genau da zu erreichen, wo sie sich aufhalten. Damit wird den jungen Menschen ein niedrigschwelliger Zugang zu den Unterstützungsangeboten ermöglicht.
Case Management
Besonders benachteiligte Jugendliche benötigen Hilfsangebote, die auf ihre jeweilige Situation und ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmt sind. Als zentrale Methode kommt aus diesem Grund im ESF-Programm Kompetenzagenturen das Case Management zur Anwendung.
Die Case Managerinnen und Case Manager in den Kompetenzagenturen
- führen ein Kompetenzfeststellungs- bzw. Assessment-Verfahren mit den Jugendlichen durch,
- erstellen in Zusammenarbeit mit den Jugendlichen/der Jugendlichen und auf der Grundlage des individuellen Kompetenzprofils sowie der jeweiligen Anforderungen an die berufliche Bildung einen individuellen Integrationsplan,
- koordinieren und begleiten die Umsetzung dieses Planes, modifizieren bei Bedarf die einzelnen Schritte und
- leiten alle notwendigen Unterstützungsangebote ein und führen eine Erfolgskontrolle der Unterstützungsangebote mit allen Beteiligten durch.
Durch die Koordination der unmittelbaren sozialpädagogischen Arbeit bilden die Case Managerinnen bzw. Case Manager der Kompetenzagenturen eine Konstante für den jungen Menschen. Ziel ist es den jungen Menschen sozial und beruflich zu integrieren und ihm dadurch eine Zukunftsperspektive zu eröffnen.
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siehe auch Praxishilfen Nr. 1: Grundlagen für die Arbeit der Kompetenzagenturen (1.7 MB) |
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siehe auch Zielgruppe |
Netzwerkarbeit
Die Tätigkeit an den Schnittstellen der Integration in den Beruf erfordert ein intensives Netzwerkmanagement. Netzwerkarbeit ist daher eine zentrale Aufgabe von Kompetenzagenturen. Die Kompetenzagenturen beziehen alle relevanten lokalen Akteure bei der Umsetzung ihres Vorhabens mit ein und integrieren die Jugendlichen in das bereits bestehende Unterstützungssystem. Bei Bedarf regen sie den Aufbau von weiteren Angeboten an, vermeiden dabei aber die Entstehung von Parallelstrukturen im existierenden Netz von Angeboten.
Verbindliche Kooperationspartner für die Kompetenzagenturen sind der örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe und - falls vor Ort vorhanden - der Jugendmigrationsdienst und die Koordinierungsstelle des Programms Schulverweigerung - Die 2. Chance. Diese Kooperationen sollen die Zusammenführung und Bündelung der unterschiedlichen Zuständigkeiten und Kompetenzen im Sinne einer individuellen Förderung der besonders benachteiligten Jugendlichen ermöglichen.
Gender und Cultural Mainstreaming
Die Ansprache und Arbeit mit den Jugendlichen in den Kompetenzagenturen erfolgt nach den Grundsätzen der Gleichstellung der Geschlechter (Gender Mainstreaming) und der Berücksichtigung der Bedürfnisse von Menschen mit Migrationshintergrund (Cultural Mainstreaming).





Praxishilfen Nr. 1: Grundlagen für die Arbeit der Kompetenzagenturen